Rüde oder Hündin???

Ob Rüde oder Hündin ist die meist gestellte Frage von Kromfohrländerintressierten

Dazu ein paar Gedanken von Birgit Nothelle (Zwinger vom glatten Kiesel)

Diese Frage stellt sich bei den meisten angehenden Kromfohrländerbesitzern, sofern sie nicht vorher schon einen Hund hatten oder schon bestimmte Erfahrungen beim Spazierengehen im Sozialgefüge der Hunde, mit dem Nachbarshund usw. erlebt haben, so das nun die Wahl des Geschlechts schon entschieden ist.

Was also ist besser?
Rüde oder Hündin?
Was passt besser in die Familie?

Zunächst, Pauschal kann man es nicht sagen. Beide Geschlechter haben Vor- und Nachteile.

Das eine Hündin „anhänglicher“ oder gar „schmusiger“ sein soll, kann man nicht bestätigen. Der Hund wird in den ersten Lebenswochen stark geprägt. Ein Welpe, egal ob Hündin oder Rüde, welcher aus schlechten Verhältnissen kommt(Stallhaltung, Hundehändler, Auslandshunde, der nie oder wenig Sozialkontakte, Menschen, andere Tiere usw. ) hatte, wird niemals „DAS Vertrauen“ zu seiner neuen Familie haben, wie ein Hund, der liebevolle sozialisiert in der Familie mit viel Streicheleinheiten schon seit seinen ersten Lebensstunden genießen durfte.
Aus der Sicht des Hundes sind Vertauensbeweise, Streicheln, Kuscheln , auf dem Rücken liegen und dabei den Bauch kraulen lassen.
Ein auf dem Rücken liegender Hund ist angreifbar und wird sich nur dann entspannt hinlegen und kraulen lassen, wenn er seinem Herrchen/Frauchen/Familie bedingungslos vertraut.
Streicheleinheiten genießt ein Hund nur dann, wenn er es seit seiner frühesten Welpenzeit kennt und als angenehm verknüpft hat.
Welpen, die solche Zärtlichkeiten nicht kennen, werden sich nur schwer oder niemals gerne und ausgiebig kuscheln lassen.

Rüde oder Hündin in der Familie

In der Regel ist die Hündin etwas „launenhafter“ als ein Rüde. Dies liegt an ihrem Zyklus, an der weniger oder mehr ausgeprägten Scheinträchtigkeit, die jede Hündin durchläuft, weil es ein fester Bestandteil ihrer Natur ist („Scheinträchtigkeit ist KEINE Krankheit“).
Einige Hündinnen neigen in dieser Zeit dazu Spieltiere zu bemuttern und zu horten. Andere werden etwas lethargisch, schlafen viel und sind in dieser Zeit an Spielen nicht sonderlich interessiert. Die Wegnahme der Kuscheltiere zieht bei einigen Hündinnen eine verstärkte Aufregung mit sich, sodass man davon absehen sollte, bei anderen Hündinnen wiederum ist die Wegnahme sinnvoll, da sie sogar die Ausprägung der Scheinträchtigkeit enorm vermindern kann.

Wenn Sie Hundesport betreiben wollen, dann bedenken Sie, dass Ihre Hündin durch die in aller Regel zweimal im Jahr auftretende Läufigkeit entsprechend für die Trainingseinheiten in dieser Zeit ausfällt.

Auch Familien, die gerne und oft verreisen, mit einer läufigen Hündin in den Urlaub fahren ist sicherlich kein Kinderspiel und alles andere als entspannend, wenn man von liebeskranken Rüden „verfolgt“ wird.
Aus Rücksicht auf Rüdenbesitzer, aber auch in Hinblick auf ihre eigene Hündin, sollten Sie während der Stehtage (Stehtage = empfängnisbereite Tage während der Läufigkeit), nicht auf stark frequentierten Hundewiesen oder Wegen spazierengehen.

Rüden sind in ihrem Wesen etwas „gleichbleibender“ und unterliegen diesen hormonellen Schwankungen nicht.
Der Jungrüde verwandelt sich nach abgeschlossener Pubertät, meist vorübergehend in einen Macho und in ein Pflänzchen „rühr mich nicht an“. Danach ist er als erwachsener Rüde in seinem Charakter recht gefestigt und beständig.

Der Rüde, vor allem der Kromfohrländerrüde sollte jedoch von Anfang an eine Hundeschule besuchen, denn die kleinen Macho’s neigen dazu, ihr Revier wörtlich zu nehmen. „Mein Baum“, „meine Straße“, „mein Wald“ ist ihre Devise.

Um künftig entspannt und ohne Stress spazieren zugehen, empfiehlt es sich von Anfang an konsequent (mit viel positiver Bestärkung, kein Zwang, wählen Sie Ihre Hundeschule sorgsam aus) auf Hundekontakte hinzuarbeiten.

Nicht zu Verleugnen ist es , dass ein Rüde, dann und wann „liebeskrank“ wird. Manch sensibles Kerlchen riecht eine läufige Hündin über weite Strecken, bei manchen ist nur die direkte Nachbarhündin interessant.
In dieser Zeit kann es passieren, dass der guterzogene Rüde beim Spaziergang plötzlich die Fährte seiner „Angebeteten“ aufnimmt und ausbüchst. Weiterhin kann der sonst so liebevolle Schmuser durch eine mit Läufigkeit parfümierten Hundedame zu einem heulenden Wolf mutieren. Er mag für einige Tage weder Futter noch Spielen oder Sonstiges. Sein einziger Wunsch trachtet nach der gut riechenden Hundedame.

Der Rüde hat definitiv ein starkes Territorialverhalten, worauf sich der neue Rüdenbesitzer einstellen sollte und mittels Hundeschule, Literatur, erfahrene Hundebesitzer, von Anfang an gegenzusteuern.
Ansonsten schleichen Sie mit ihren Macho nur noch auf abgelegenen Wegen, weil Rüdenbegegnungen zu einem Machtkampf werden und sie ihren Rüden dann niemals ohne Leine laufen lassen können.

Kromfohrländer Hündinnen lassen eher Hunde Besuch in den eigenen vier Wänden zu als Rüden.
Nach anfänglichem „Klären“ der Rudelsituation, duldet die Chefn den Besuch in den zugewiesenen Schranken.

Kromfohrländer Rüden neigen vermehrt dazu Rüden Besuch nicht zu dulden, bzw., immer und immer wieder die Situation neu zu klären. Dagegen ist Hündinnen Besuch bei den Rüden immer sehr Willkommen.

Wie sie sehen, haben beide Geschlechter Vorteile aber auch Nachteile.
Bedenken sollten sie: Nicht jeder Hund ist „typisch“ Rüde oder „typisch“ Hündin, vor allen Dingen sind sie maßgeblich geprägt von den ersten Lebenswochen an.

Reden Sie mit Ihrem Züchter offen und ehrlich über ihre Alltagssituation, er kennt seine Schützlinge, kann Erfahrungen mit anderen Welpen und auch Mutter und Vater heranziehen und Ihnen so, das Familienmitglied auswählen was in Ihre Familie passt.
So sind die besten Voraussetzungen für ein glückliches und harmonsiches Miteinander geschaffen.

Bitte, machen Sie es ich nicht zu einfach und gehen den Weg der Kastration. Sicherlich wird es dadurch im Umgang in vielen Situationen einfacher, aber Sie greifen in die Natur Ihres Tieres in großem Umfang ein. Die Kastration wird gerne von Tierärzten (die verdienen daran) und Hundeschulen (die machen es sich einfach) empfohlen!!!

Wollten Sie nicht ursprünglich einen Hund mit allen Ecken und Kanten? Sie wollen doch sicher keinen einfachen Dekorationsgegenstand?
Die Entwicklung des Hundes wird maßgeblich durch seine Hormone gesteuert, sein Streben, sein Wesen, sein Charakter sind als Ganzes eine faszinierende Angelegenheit und die Zusammenarbeit mit ihm wird Sie begeistern.

Eine scheinträchtige Hündin und ein liebestoller Rüde „leiden“ nicht, sie gehen ihrer Natur nach, so wie es ihre Vorfahren seit Jahrtausenden machen.

Mit Übung und Planung können Sie alle genannten Eigenschaften von Rüde und Hündin bestens in den Griff bekommen.

Basima vom glatten Kiesel mit Campino von der lichten Eiche